Weitere Meldungen
Medizinalcannabis
Weitere Kritik an geplanter Medizinalcannabis-Einschränkung der Bundesregierung
08.08.2025 | Die geplante Gesetzesänderung zur strengeren Regulierung der Verschreibung von medizinischem Cannabis stößt in der Branche weiter auf scharfe Kritik, so berichtet das Handelsblatt. Vorgesehen ist, dass Cannabisblüten nur noch nach persönlichem Arztgespräch verordnet und der Versandhandel verboten wird. Branchenvertreter wie Patrick Hoffmann (Cantourage) und Adrian Fischer (Demecan) würden vor einem Markteinbruch von bis zu 60 Prozent mit negativen Folgen für Arbeitsplätze und Steuereinnahmen warnen. Die Branche habe seit der Teillegalisierung 2024 vor allem vom Ausbau telemedizinischer Verordnungen und des Onlineversands profitiert, wodurch Umsätze und Beschäftigung deutlich gestiegen seien.
Das Bundesgesundheitsministerium sehe in den stark gestiegenen Cannabis-Importen vor allem eine Folge der Selbstzahler über telemedizinische Plattformen, die oft mit wenigen Klicks Rezepte ohne persönlichen Arztkontakt vermittelten. Branchenvertreter kritisierten hingegen, dass belastbare Daten zu Selbstzahlern fehlten und die erhöhte Nachfrage auch auf einen verbesserten Zugang zu medizinischem Cannabis zurückzuführen sein könnte. Die geplanten Einschränkungen könnten jedoch Patienten, vor allem in ländlichen Regionen, die Versorgung erschweren und sie womöglich zurück in den Schwarzmarkt drängen. Experten wiesen zudem darauf hin, dass Versandverbote die Betreuung und Versorgung von immobilen oder schwer kranken Patienten erschweren könnten. Einige Unternehmen würden auf kombinierte Modelle aus persönlichen und telemedizinischen Angeboten setzen, um den Zugang trotz neuer Regulierung sicherzustellen.
Versandverbot bei Medizinal-Cannabis könnte Patientenversorgung gefährden
07.08.2025 | Die geplante Gesetzesänderung des Medizinal-Cannabisgesetzes sieht ein Verbot des Versands von Cannabisblüten vor, was laut einer Analyse der Plattform Bloomwell die Versorgung von rund 50 Prozent der Cannabis-Patienten in Deutschland gefährden könnte, so berichtet apotheke-adhoc. In mehreren Bundesländern sollen spezialisierte Apotheken komplett fehlen oder seien nur sehr vereinzelt vorhanden, sodass viele Betroffene weite Wege in Kauf nehmen müssten. Besonders in ländlichen Regionen könne die nächste auf Cannabis spezialisierte Apotheke mehr als 100 Kilometer entfernt sein.
Die Analyse zeige ein deutliches Nord-Süd-Gefälle: Im Süden lägen die Patientenzahlen deutlich über dem Bundesdurchschnitt, etwa in Bayern und Baden-Württemberg, während sie in Ost- und Norddeutschland deutlich darunter lägen. Das Bundesgesundheitsministerium plane mit dem Entwurf eine stärkere Regulierung, die unter anderem einen persönlichen Arztkontakt bei Folgeverordnungen und den Ausschluss des Onlineversands vorsehe.
Kritiker wie Bloomwell-CEO Niklas Kouparanis sähen darin einen Verstoß gegen Versorgungszusagen und warnten, dass viele Patienten so zum illegalen Markt gedrängt würden. Die neue Regelung könne gerade für mobilitätseingeschränkte Patienten eine erhebliche Versorgungshürde darstellen.
Stellungnahmen zur Änderung des MedCanG eingereicht
07.08.2025 | Bis zum 1. August 2025 konnten Verbände und Institutionen ihre Einschätzungen zum Referentenentwurf des Medizinalcannabis-Gesetzes einreichen, so berichtet KrautInvest. Diese sollen nach der Sommerpause in den Ressortabstimmungen und Kabinettsberatungen berücksichtigt werden. Erst bei Einigkeit zwischen den Ministerien könnte ein angepasster Entwurf in den Bundesrat und anschließend in den Bundestag eingebracht werden, Verzögerungen durch inhaltliche Differenzen seien jedoch möglich. Unter den veröffentlichten Stellungnahmen fänden sich Beiträge des Branchenverbands Cannabiswirtschaft e.V. (BvCW), des Bundes Deutscher Cannabis-Patienten e.V. (BdCan), der Bundesärztekammer, des Bundesverbands pharmazeutischer Cannabinoidunternehmen (BPC), der Cantourage Group SE, des Paritätischen Gesamtverbands (DHS), des Deutschen Hanfverbands, des House of Pharma & Healthcare e.V., des Spitzenverbands Digitale Gesundheitsversorgung und der Stadapharm GmbH.
Hanfverband kritisiert geplantes Versandverbot für Cannabisblüten
06.08.2025 | Der Deutsche Hanfverband hat in seiner Stellungnahme zum Referentenentwurf zur Änderung des Medizinal-Cannabisgesetzes (MedCanG) deutliche Kritik am geplanten Verbot des Versandhandels mit Cannabisblüten geäußert, so berichtet apotheke-adhoc. Die vorgesehene Pflicht zum persönlichen Arztkontakt und zur Abgabe in stationären Apotheken sei ein „Rückschritt in vordigitale Zeiten“ und vor allem ein Erfolg der „Apothekerlobby“. Das Verbot würde vor allem telemedizinische Plattformen und spezialisierte Online-Apotheken treffen und Arbeitsplätze gefährden. Der Verband warne vor mehr Ärztehopping, erhöhter Schwarzmarktnachfrage und zusätzlichen Belastungen für mobilitätseingeschränkte sowie ländlich wohnende Patienten. Zudem kritisiere er, dass die Regelung nur für Blüten, nicht aber für hochkonzentrierte Extrakte gelten soll, und fordere die Einführung von Cannabis-Fachgeschäften sowie eine bessere Kostenübernahme durch Krankenkassen.
ABDA fordert Klarstellung zur Preisbindung von Medizinal-Cannabis
04.08.2025 | Die ABDA begrüßt das Vorhaben von Bundesgesundheitsministerin Nina Warken, den Vertrieb von Cannabisblüten stärker zu regulieren, und unterstützt die Einschränkung der Telemedizin sowie das Versandverbot, so berichtet die Pharmazeutische Zeitung. In ihrer Stellungnahme fordert die Standesvertretung eine deutliche Klarstellung, dass für Medizinal-Cannabis weiterhin eine einheitliche Preisbindung gelte, da es seinen Status als Arzneimittel behalten habe. Die ABDA sehe eine mögliche Lücke in der Arzneimittelpreisverordnung und schlage vor, diese gesetzlich zu schließen. Parallel würden Krankenkassen den Erstattungsanspruch für Cannabisblüten ausschließen wollen und stattdessen geprüfte Fertigarzneimittel favorisieren.
Canify AG erweitert Portfolio um zwei neue Blütenkategorien
05.08.2025 | Die Canify AG erweitert ihr Sortiment an getrockneten medizinischen Cannabisblüten um die Kategorien „Craft“ und „Ghostdrops“, so berichtet das Unternehmen in einer Pressemitteilung. Die „Craft“-Blüten stammten aus ausgewählten, erfahrenen Anbaubetrieben mit besonderem Fokus auf präzise Kultivierung und hochwertige Qualität. Zum Start sei das Kultivar “Pink Slurricane“ aus Kanada erhältlich, weitere Sorten wie “Peppermint Kush” sollten folgen.
Die „Ghostdrops“-Linie umfasse limitierte, wechselnde Sorten in Kooperation mit der kanadischen Marke Ghost Drops, darunter Ice Cream Cake, Super Squishee und Blue Slushie. Beide Kategorien böten differenzierte Terpen- und Cannabinoidprofile für individuell angepasste Therapien.
Mit diesen neuen Kategorien schaffe Canify mehr Orientierung für Apotheken und Ärzte und ergänze das bestehende Portfolio. Die Produkte würden hohe Qualitäts- und Sicherheitsstandards erfüllen, die oft über europäische Arzneimittelrichtlinien hinausgingen.
Genussmittelregulierung
Hanfparade fordert vollständige Cannabis-Freigabe
09.08.2024 | Mehrere hundert Teilnehmer der Hanfparade sind in Berlin für eine umfassende Legalisierung von Cannabis auf die Straße gegangen, so berichtet rbb24. Die Veranstalter und Unterstützer kritisierten die seit April 2024 geltende Teillegalisierung als zu restriktiv und bürokratisch. Der Deutsche Hanfverband argumentiere, Eigenanbau und Anbauvereine seien nicht für alle Konsumenten geeignet, und forderte den Verkauf von Cannabis an Erwachsene in Fachgeschäften zu angemessenen Preisen.
Industriehanf
USA: Hanf-Batterie-Start-up mit Milliardenvision in Wisconsin offenbar gescheitert
06.08.2025 | Das Projekt von Wisconsin Battery Co., mit Hanffasern umweltfreundliche Batterien zu entwickeln und damit Tausende Arbeitsplätze zu schaffen, ist nach mehr als zwei Jahren Planung und öffentlicher Unterstützung offenbar gescheitert, so berichtet HempToday. Die Firma, die 2023 mit dem Ziel angetreten sei, Hanf-Batterien für Hörgeräte bis hin zu Elektrofahrzeugen zu produzieren, habe nach Ablehnung eines wichtigen Förderantrags beim US-Energieministerium an Dynamik verloren.
Trotz weiterer Versuche, private und staatliche Finanzierung zu erhalten, sei die Umsetzung ausgeblieben, und die für Produktionsstandorte vorgesehenen Gebäude stünden weiterhin leer. CEO Jeff Greene habe zudem seinen Titel bei Wisconsin Battery aus sozialen Netzwerken entfernt.
Die Gesellschaft gehöre zur Sustainable Communities Corp., deren Geschäftsführer Michael Sauvante mit früheren gescheiterten Unternehmungen und Vorwürfen von Investorenbetrug in Verbindung gebracht werde. Lokale Behörden und Wirtschaftsförderer zeigten sich enttäuscht und warnten vor voreiligen Hoffnungen, da die Firma seit Anfang 2025 keine nennenswerten Aktivitäten gezeigt habe.
Fachbereichsübergreifend
Start-Up-Pitches und Medizinalcannabis im Fokus: Weitere BvCW-Fachkonferenzpanels online
Im Rahmen der Mary Jane Berlin 2025 veranstaltete der Branchenverband Cannabiswirtschaft e.V. (BvCW) am 20. und 21. Juni Fachkonferenzpanels, die Aufzeichnungen von zwei weiteren Panels wurden nun veröffentlicht. Unter dem Titel „Start-Up Pitches – Wie gut ist meine Geschäftsidee?“ diskutierten Antje Feißt und Finn Hänsel (Sanity Group), Ben Patock (Boveda) und Lisa Haag (MJ Universe) drei konkrete Geschäftsideen und deren Marktpotenziale in der Cannabiswirtschaft.
Am Folgetag beleuchtete das Panel „Medizinalcannabis als Lösung – worin liegen die aktuellen Herausforderungen“ unter Mitwirkung von Dr. Armin Prasch (Trias Pharma), Kathrin Zabel (Comm together public affairs), Franziska Katterbach (Kanzlei Oppenhoff), Marcus Reussmann (Aurora Deutschland) und Sven Dankers (HT Ventures) aktuelle Hürden und Lösungsansätze im Bereich Medizinalcannabis.
Internationales
Trump kündigt Entscheidung zu Cannabis-Neueinstufung in den kommenden Wochen an
11.08.2025 | US-Präsident Donald Trump erklärte bei einer Pressekonferenz, seine Regierung prüfe derzeit, Cannabis im Controlled Substances Act von Stufe I auf Stufe III herabzustufen, so berichtet marijuanamoments.. Eine Entscheidung solle in den nächsten Wochen fallen. Trump betonte, das Thema sei „sehr kompliziert“, verwies auf unterschiedliche gesellschaftliche Haltungen und hob an, dass es positive Berichte über medizinische Anwendungen, aber auch negative Stimmen zu anderen Konsumformen gebe. Innerhalb der Administration gebe es laut CNN unterschiedliche Auffassungen, während politische Unterstützer und ein mit Trumps Wahlkampforganisation verbundenes Komitee öffentlich für die Reform werben würden. Die DEA unter ihrem neuen Leiter Terrence Cole habe Rescheduling bislang nicht als strategische Priorität benannt, obwohl Cole es zuvor angekündigt habe.
Japan gründet landesweiten Dachverband für Cannabinoid-Branche
06.08.2025 | Acht führende Branchenverbände Japans haben sich erstmals zur „Japan Cannabinoid Federation“ (JCF) zusammengeschlossen, so berichtet die PRTimes und Takuya Aiuchi. Ziel sei es, den Cannabinoidmarkt durch einheitliche Standards, klare Regeln und enge Zusammenarbeit mit Behörden sicherer und vertrauenswürdiger zu gestalten. Neben der Prävention gesundheitlicher Risiken soll die JCF die Branche nachhaltig entwickeln, transparente Informationen bereitstellen und für neue synthetische Cannabinoide eigene Richtlinien empfehlen. Vorsitzender sei Sudo Akimichi vom National Cannabis Commerce & Industry Council, unterstützt von führenden CBD- und Hanf-Organisationen.
Canopy Growth benennt Miles Worne zum Managing Director für Europa
07.31.2025 | Canopy Growth, derzeit mit rund 215 Millionen US-Dollar bewertet, hat Miles Worne ab dem 11. August 2025 zum Managing Director European Markets ernannt, so berichtet investing. Canopy Growth setze mit der Ernennung von Worne, der über mehr als 20 Jahre Erfahrung in Cannabis, Healthcare und Konsumgütern verfügt, verstärkt auf Wachstum in den etablierten europäischen Medizinalcannabismärkten. Worne, ehemals Präsident von Curaleaf International Europa, solle die kommerziellen Aktivitäten vorantreiben und die Expansion vorbereiten. Das Unternehmen kämpfe aktuell mit einem negativen EBITDA von 14,8 Millionen US-Dollar und einem Umsatzrückgang von 9,5 Prozent. Trotz ausreichender kurzfristiger Liquidität weise die Bilanz Schwächen auf, etwa eine negative Eigenkapitalrendite von 54 Prozent. Canopy Growth produziere in Deutschland unter den Marken Tweed, 7ACRES und Deep Space und plane, bis März 2026 Schulden von 50 Millionen US-Dollar durch vorzeitige Rückzahlungen zu reduzieren, um Zinskosten jährlich um rund 6,5 Millionen US-Dollar zu senken.
UK: Medizinalcannabis-Markt soll bis 2029 über eine halbe Milliarde Pfund erreichen
31.07.2025 | Der britische Markt für medizinisches Cannabis wird laut der Analysefirma Prohibition Partners von derzeit rund 258 Millionen Pfund auf voraussichtlich 558 Millionen Pfund in vier Jahren wachsen, so berichtet leafie. Die Zahl der Patienten, die vor allem über private Praxen behandelt werden, soll bis Ende 2025 von 50.000–60.000 auf etwa 80.000 steigen. Getrocknete Blüten sollen mit rund 70 Prozent das Angebot dominieren, ergänzt durch Öle, Extrakte und weitere Produkte. Digitale Zugangswege und Telemedizin fördere das Wachstum, wobei die Nachfrage nach Privatverordnungen voraussichtlich in den kommenden Jahren verdoppelt werde. Großbritannien gelte aktuell als zweitgrößter Markt Europas hinter Deutschland, wo die Reform des Medizinalcannabisgesetzes im April 2024 das Marktwachstum weiter beschleunigt. Insgesamt werde der europäische Markt bis 2029 auf rund 2,9 Milliarden Euro geschätzt.
Kanada: Höheres Demenzrisiko durch Cannabiskonsum im Alter
Kanadische Wissenschaftler berichten, dass ältere Erwachsene über 45 Jahre, die wegen Cannabisintoxikationen behandelt wurden, später häufiger an Demenz erkranken, so das Ärzteblatt. Die Zahl der Klinikeinweisungen aufgrund von THC-Intoxikationen stieg von 353 im Jahr 2008 auf 2.508 im Jahr 2021, bei Personen über 65 sogar um das 26,7-Fache.
Eine Auswertung von Daten aus Ontario mit sechs Millionen Versicherten zeige, dass nach einer Behandlung wegen Cannabisintoxikation das Demenzrisiko im Vergleich zu anderen Akutpatienten um das 1,5-Fache und gegenüber der Allgemeinbevölkerung um das 3,9-Fache erhöht war. Nach Anpassung an soziodemografische Faktoren und chronische Erkrankungen blieb das Risiko signifikant erhöht, wenn auch abgeschwächt.
Verwandte Branchen
Pantazis (SPD): Alkoholverkauf erst ab 18 Jahren
05.08.2025 | Der gesundheitspolitische Sprecher der SPD-Bundestagsfraktion, Christos Pantazis, forderte, das Mindestalter für den Kauf von Bier und Wein von derzeit 16 auf 18 Jahre anzuheben, so berichtet die Welt. Er begründete dies mit den gesundheitlichen Risiken des Alkoholkonsums im Jugendalter. Eine solche Altersgrenze müsse jedoch Teil einer umfassenden und glaubwürdigen Präventionsstrategie sein. |